Sonntag, 21. November 2021

 Illustrierte Kürzestgeschichten

Inspiriert durch gefundene Einkaufszettel –

wöchentlich erzählt von März 2019 bis Juli 2020.

 

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Annikas Altbauwohnung

 Sollte sie ihn verlassen? Könnte sie ihn verlassen? Aber wo sollte sie hin? Sie hatte ja keine Rente. Würde er die Trennung zulassen, würde er ihre eine kleine Wohnung finanzieren? Wie würden die Kinder reagieren?

Da rief er wieder aus dem Wohnzimmer. Sie erinnerte sich, dass er wegen des Besuchs seiner Kollegen am Donnerstag etwas besorgt haben wollte. Seit fast einem Jahr sprach sie kaum noch mit ihm. Wie hatte sich das entwickelt?

Das wollte sie jetzt nicht denken. Was sie permanent denken musste: Dass sie ihn nicht mehr liebte!

Da rief er schon wieder. Widerspenstig und langsam ging sie zu ihm ins Wohnzimmer. Er saß in seinem Sessel. Und natürlich lief der Fernseher – wie immer viel zu laut, irgendwas mit Tieren in Afrika.

Es roch nach ihm. Ja, sie musste ihn verlassen, egal, was die Familie dachte. Wenn sie ihn vergiftete, hätte sie sein Geld und könnte in der Wohnung bleiben. Aber sie wollte seinetwegen nicht in den Knast. – Sein Einkaufszettel lag auf dem Wohnzimmertisch.

Berliner Pils, soviel Du in den Einkaufswagen kriegst. Eine Flasche Apfel, Pommes Royal, eine Flasche Birne, Williams. Und drei herbe Schoppenweine, einmal Gotteshilfe, ein Rosé und ein weißer Spätburgunder, so um acht Euro.“

Ohne etwas zu sagen, nahm Jutta seinen Einkaufszettel, ging in den Flur, nahm den Einkaufswagen und zog los.

Am Donnerstag also wieder die zwei oder drei von der BSR, die, mit denen er zuletzt auf dem Recyclinghof zusammen gearbeitet hatte. Gott sei Dank, dass das aufgehört hatte. Was hatte er nicht alles von dort angeschleppt! Besonders die Uraltradios, die er reparieren wollte. Und von ihr verlangt, dass sie sein Zimmer, seine Werkstatt, putzte!

Vor der BSR hatte Walter als Elektriker in einem guten kleinen Radiogeschäft in Steglitz gearbeitet. Das Geschäft gab es schon lange nicht mehr. Damals hatte sie ihn noch geliebt.

Auf dem Heimweg traf sie Annika, ihre beste Schulfreundin. Annika lebte nach dem Tod ihres Mannes allein in einer großen Altbauwohnung.

Plötzlich hatte Jutta eine Idee, und sie lud Annika zu einem Stück Kuchen drüben beim Italiener ein.


klick!

 

 

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